Jungfrau-Marathon 2005
Holger Raaf, Rosi Kremser, Gitti Schiebel, Conny Bodenhöfer, Zenta Schafroth und Uli Schafroth waren beim Jungfrau-Marathon über 42,195 und 1839 Höhenmeter mit dabei!
Gegen Ende letzten Jahres kam unsere Senioren-Sportlerin Zenta Schafroth auf die Idee, mal wieder am Jungfrau-Marathon in der Schweiz zu starten. Natürlich wollte sie nicht alleine fahren, sondern wir mussten alle mit. Wir, das sind Rosi Kremser, Conny Bodenhöfer, Holger Raaf, Uli Schafroth und ich (Gitti Schiebel). Für Uli und Holger war es die Marathon-Premiere.
Der Jungfrau-Marathon - laut Veranstalter „die schönste Marathon-Strecke der Welt“ - führt von Interlaken hinauf ins Ziel auf die Kleine Scheidegg unterhalb der eindrucksvollen Bergkulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. In Zahlen ausgedrückt heißt das: die Marathondistanz von 42,195 Kilometern verbunden mit 1839 Höhenmetern.
Anmelden muss man sich spätestens im März, aufgrund der großen Nachfrage werden die rund 4000 Startplätze verlost und im Mai ist verbindlich, ob man einen Platz ergattert hat. Jetzt könnte man eigentlich auch schon mit der Vorbereitung beginnen…
Vor zwei Jahren, als wir schon einmal teilgenommen hatten, haben wir den Sommer für viele gemeinsame, lange Bergläufe genutzt. Dieses Jahr kam das bei mir etwas zu kurz. Bis Ende Juli hat das Training für den Allgäu-Triathlon Priorität, im August haben wir gute 10 Tage eine Alpenüberquerung mit dem MTB gemacht, tja, und dazwischen sollte dann irgendwie noch die Vorbereitung für den Marathon stattfinden. Aber gut, die Grundkondition und einige längere Läufe mussten für dieses Jahr genügen.
Mit der Gewissheit einer vielleicht etwas dürftigen Vorbereitung traten wir Freitagnachmittag die Reise in die Schweiz an. Ein Teil der Gruppe war in der Früh schon gefahren und hatte die Startunterlagen abgeholt. Wir konnten uns also direkt auf dem Campingplatz in Lauterbrunnen zum Pasta-Essen treffen. Gesprächsthema war natürlich der Marathon, die Wetter- und somit die Kleiderfrage.
Am Samstag in der Früh um 6 Uhr hieß es Aufstehen, Frühstücken, Sachen packen und um 7 Uhr zum Bustransport nach Interlaken. Es war trocken mit ca. 15 Grad und der Wetterbericht hatte erst für die zweite Tageshälfte Regen.
Zwanzig Minuten vor dem Start fanden wir uns in unseren Startblöcken ein. Eine Schweizer Alphorngruppe sorgte für alpenländische Stimmung, der Sprecher stellte die Favoriten vor, wir wünschten uns gegenseitig viel Glück und irgendwann war es dann soweit: pünktlich um 9 Uhr fiel der Startschuss zum 13. Jungfrau-Marathon. Bejubelt und angefeuert von zahlreichen Zuschauern setzte sich die Masse in Bewegung. Die ersten 3 Kilometer führen durch Interlaken, man kommt noch mal durch den Startbereich durch und dann geht es hinaus durch umliegende Dörfer, bis kurz nach KM 10 der gemächliche Anstieg Richtung Lauterbrunnen kommt. Rosi, Conny und ich waren zusammen, liefen einen 5er-Schnitt und waren guter Dinge. Bis zum Halbmarathon sind es ca. 250 Höhenmeter und man sollte sich bis dorthin nicht zu sehr verausgaben, denn der eigentliche Wettkampf geht bei KM 26 los, wenn der steile Anstieg nach Wengen beginnt. Das Laufen machte großen Spaß, die Begeisterung der Zuschauer ist unglaublich. Immer wieder verschiedene Musikgruppen, von der Guggenmusik bis zur Sambaband. In Lauterbrunnen wurde man besonders angefeuert, überall Transparente wie „Hopp, hopp, hopp, bis ganz uffe“ Kurz vor KM 18 nahm ich das Tempo etwas raus, ich wollte mich für den Anstieg schonen. Rosi und Conny liefen flott weiter. Die KM 21 bis 25 sind wieder flach und man kann die Kräfte sammeln. Ich freute mich auf den Berg, denn ich fühlte mich gut. Und dann ging´s auch schon los. Aus dem Laufen wurde Gehen mit langen Schritten. Runde 500 Höhenmeter steiler Anstieg bis nach Wengen lag vor mir. Die KM werden mit 250-m-Abständen angezeigt und selbst hier dauerte es lange, bis das nächste Schild kam. Nicht gerade sehr motivierend. Auf halber Höhe traf ich auf Rosi, die von Magenkrämpfen geplagt wurde. Sie musste dann leider den Wettkampf beenden und „durfte“ mit der Bahn nach oben fahren. In Wengen, bei KM 31, war wieder Stimmung pur. Von überall her wurde man angefeuert und an jeder Ecke unterschiedliche Musik. Der Sprecher sagte gerade durch, dass sich der Führende ca. 1 km vor dem Ziel befindet – na toll! Aber hilft ja nix, auffi geht´s. Kurz nach Wengen sah ich Holger. Einige Zeit liefen wir nebeneinander her – mal er vorne, mal ich. Irgendwann überholte er mich nicht mehr, er war später dann wenige Minuten nach mir im Ziel. Der breite Schotterweg war meist so ansteigend, dass man gut laufen konnte. Bei kürzeren steilen Stücken wechselte ich wieder zum schnellen Gehen. Die KM wurden weiterhin 250-m-weise angezeigt, Spaziergang war es also keiner. Die Verpflegung war super. Ca. alle 2,5 km waren Stationen, bei denen es von Wasser, Iso, Powerade, Cola, Bouillon bis zu Energie-Tabs, Riegel, Bananen alles gab. Stückchen für Stückchen ging es nach oben. Bei KM 38 ging es nochmals kurz bergab, bis die letzte Herausforderung begann, der Anstieg auf der Moräne hinauf zum Eigergletscher. Nun war es nur noch ein Wanderpfad, Überholen war schier unmöglich. Das Tempo war mir zu langsam, ich war fit und wollte schneller Laufen. Bei allen Gelegenheiten scherte ich aus, um am Vordermann vorbeizukommen. Es konnte ja nur noch gut ein Kilometer sein, bis der Dudelsackspieler am höchsten Punkt stand und man wusste, dass es nur noch bergab ins Ziel ging. Ich hatte das vom letzten Mal nicht so schlimm in Erinnerung. Inzwischen war es neblig und es fing zu tröpfeln an, sehen konnte man nicht, wie hoch es noch hinauf ging. Mit der Zeit wurde es dann doch etwas zäher. Irgendwann hörte ich Musik – das musste der Dudelsackspieler sein. Aber nein, es waren Alphornbläser, die es uns etwas kurzweiliger machen wollten. Weiter oben sah man die Läufer im Nebel verschwinden. Es ging also noch weiter hinauf. Überholt hatte ich schon lange nicht mehr, ich war froh, in der Kolonne gehen zu können. Der einzige Gedanke war nur „wie weit noch und wann hört man endlich den Dudelsack“. Aber auch das war dann mal soweit. Ich konnte es fast nicht glauben. Endlich bergab, nur noch ein winzig kleiner Gegenanstieg und dann konnte man auch schon fast das Ziel sehen. Beim Bergablaufen überholte ich einige Läufer, die von Krämpfen geplagt wurden und auch ich spürte ein verdächtiges Zucken. Aber die Aussicht und Freude aufs nahe Ziel war wohl stärker und mit einem breiten Grinsen lief ich nach 4 Stunden, 37 Minuten und 12 Sekunden über die Ziellinie. Conny war eine gute Minute vor mir angekommen und strahlte ebenfalls übers ganze Gesicht. Wir waren Finisher des 13. Jungfrau-Marathons und konnten voller Stolz die Medaille und das T-Shirt entgegennehmen. Nach einer heißen Dusche und warm eingepackt trafen wir uns alle im Zielbereich. Holger trudelte mit 4 h 41 min und Zenta mit 4 h 59 min ein. Auf die „eigentlich Nicht-Läuferin“ Uli mussten wir noch ein bisschen warten, aber auch sie war nach 6 h 18 min da.
Mit der Bahn wurde man zurück nach Lauterbrunnen transportiert. Da natürlich fast alle gleichzeitig nach unten wollen, sind die Wagons ziemlich voll und nicht jeder konnte einen Sitzplatz erwischen. Nach so einem Lauf ganz schön hart, die Fahrt dauert eine knappe Stunde. Zur Siegerehrung nach Interlaken wollten wir natürlich unbedingt, da Zenta in ihrer Altersklasse F60 den 2. Platz belegt hatte. Wir sind sehr stolz und haben sie auf dem Podest lautstark beklatscht. Mit einem gemütlichen Abend auf dem Campingplatz bei Bier und Wein ging der erlebnisreiche Tag zu Ende. Auch die Pläne fürs nächste Mal wurden schon geschmiedet – vielleicht ja wieder in zwei Jahren…?
Gewonnen hat übrigens Eticha Tesfaye in 2:59´21 sowie Abosa Emebet in 3:29´15.
Ergebnisse und Informationen zum Lauf gibt es unter www.jungfrau-marathon.ch
|
 |
|