100km Biel 2009

Oli ist in Biel die 100km gelaufen. Bekannt für seine konsequenten Vorbereitungen, hatte ich auch keine Zweifel, das er sein Ziel erreichen würde. Hier sein Bericht:


BIEL – die Nacht der Nächte 2009

Ich habe es geschafft  - in 10:50:49 Stunden habe ich die 100 km von Biel gefinisht.

Am 12.06.2009 machten wir, Manfred, Karlheinz, Alex und ich, mit dem Wohnmobil auf nach Biel in die Schweiz um an dem 100 km Nachtrennen teilzunehmen auf das wir schon seit Monaten hin fieberten.
Die Fahrt über ca. 300 km verlief völlig unproblematisch. Wir trafen gegen 14:30 Uhr in Biel ein. Glücklicherweise konnten wir direkt am Veranstaltungsgelände auf einer Wiese mit dem Wohnmobil unser Lager aufschlagen.
Während Manfred und Alex den Bereich mit ihren Fahrrädern erkundeten und frische Lebensmittel einkauften kochten Karlheinz und ich das Mittagessen was auch zugleich Abendessen war. Die Nudeln mit Thunfischsoße mit tollem frischem Salat (mit Manfreds Spezialdressing) füllten unsere letzten freien Kohlenhydratspeicher.
Im Anschluss besorgten wir uns unsere Startunterlagen und schauten uns ein wenig den Start-Zielbereich und das Veranstaltungsgelände an.
Anschließend verzogen wir uns  in die Betten um noch ein wenig Ruhe zu bekommen. Doch die Nervosität trieb uns schon nach zwei Stunden wieder auf die Beine. Den Rest des abends verbrachten wir mit Räder packen und sonstigen Vorbereitungen.
Um 21:30 Uhr verabschiedeten wir unsere Radfahrer, die im geschlossenen Tross zum Kilometer 23 – 25 km gebracht wurden.

Um 22:00 Uhr war es dann soweit für uns Läufer. Mit einem lauten Knall wurden wir auf die 100 km Runde verabschiedet. Auf den ersten Kilometern ging es durch die Innenstadt von Biel. Gesäumt von sehr vielen Zuschauern liefen wir hinaus in die Nacht.
Bei der Menge an Läufern und der tollen Stimmung war es sehr schwer nicht zu schnell zu werden. Ständig musste ich mich einbremsen um im geplanten Tempo zu bleiben.
Bei Kilometer 7,5 ging es dann über einen Kilometer ca. 100 Meter nach oben. In dieser Steigung fand ich dann auch meinen Rhythmus für das Rennen. Bis Kilometer 25 ging es immer leicht coupiert über Wiesen, durch Wälder und Ortschaften. Bei Kilometer 25 wartete Manfred mit dem Rad auf mich. Ich erreichte ihn um 00:26 Uhr und wir begrüßten uns mit einem gut gelaunten “Guten Morgen”.
Bis Kilometer 56 konnte mich Manfred sehr gut versorgen, so dass ich keine Verpflegungsstation in Anspruch nehmen musste. Ab Kilometer 56 ging es auf den Emmedamm. Spitzname “Ho Chi Min Pfad”. Die Radfahrer mussten diesen Bereich umfahren und durften erst wieder bei Kilometer 66 auf die Strecke.
Der Ho Chi Min Pfad trieb mich in mein einziges Tief. Wurzeln, Steine, Löcher und rabenschwarze Nacht ließen mich ständig stolpern umknicken und Äste ins Gesicht schlagen. Und komischerweise immer alles auf das linke Bein. An der Versorgungsstelle bei Kilometer 62,5 blieb völlig frustriert mit Schmerzen im linken Bein stehen und war kurzfristig am ENDE. Ich nahm mir eine Banane und etwas zu trinken. Noch bevor der Becher leer war schoss mir der Satz: “Was machst du hier? LAUF!!” durch den Kopf und ich sah die Bilder von Julie Moss vor mir wie sie beim Ironman in Hawaii auf allen Vieren über die Ziellinie kroch.
Das war die Initialzündung. Restliche Banane und Getränk flogen in ein Eck und ich lief wieder und zwar durch bis ins Ziel. Die Schmerzen spürte ich nicht mehr und mit jedem 5 Kilometer Schild wuchs meine Zuversicht unter 11 Stunden zu bleiben. Durch die Dämmerung hindurch in den Morgen hinein lief ich wie ein Uhrwerk. Manfred achtete peinlich genau auf Trinken und Essen was es mir doch auch einfacher machte.
Als klar war, dass ich unter 11 Stunden bleiben werde planten wir das 99 KM Foto. Manfred fuhr vor und machte alles bereit für ein schnelles Foto. Das Anlaufen auf die letzten 1000 Meter war dann noch mal heftig. Doch das Ziel vor Augen machte auch dies erträglich.
Nach 10 Stunden 50 Minuten und 49 Sekunden überquerte ich überglücklich die Ziellinie.
Nun kam eine Flut von Händen auf einen zu was schon etwas heftig war. Stempeln, Chip abgeben, Medaille, irgendeinen Barcode scannen und das am Besten alles auf einmal. Doch Manfred drückte sich da erfolgreich in den Zielbereich und übernahm diese Dinge so, dass ich mich erstmal setzen konnte.
Tja irgendwann musste ich dann auch wieder aufstehen. Das war heftig und ohne Hilfe unmöglich. Die 300 Meter zum Wohnmobil liefen in Zeitlupe ab. Doch dann lag ich erstmal für Stunden im Liegestuhl.
Nach 11:35:59 Stunden erreichten Karlheinz und Alex das  Ziel.

Wir sammelten in den nächsten 6 Stunden wieder unsere Kräfte und fuhren wieder zurück ins Allgäu. In der darauffolgenden Nacht schlief ich 13 Stunden durch. Und heute nach 3 Tagen bin ich wieder einigermaßen fit und laufe auch schon wieder recht rund.

Großen Dank an Manfred meinen Radbegleiter. Du hast mich toll versorgt. Ohne dich hätte ich die 11 Stunden nicht geknackt.

Großen Dank an Karlheinz: deine Tipps und Erfahrung die du während der Vorbereitung mit mir geteilt hast haben mich vor vielen Fehlern bewahrt.

Danke an Manfred, Karlheinz und Alex für 2 tolle Tage und ein tolles Abenteuer.

Danke an meine Frau Pen für dein Verständnis für meine unzähligen Laufstunden. Ich verspreche ich mach garantiert so weiter

Ach ja: Die Kombination CEP Kompressionssocken mit den Asics Kayano Gel hat sich hervorragend bewährt. Keine Blasen, keine schlimmen Wadenschmerzen und rasche Regeneration.
Danke an Axel vom Laufladen in Sonthofen für die tolle Schuhwahl/beratung und deine wertvollen Tipps rund ums Training.


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