100 km Ultramarathon in Biel
Die Fahrt von Sonthofen nach Biel (Schweiz) verlief schon alles andere als gut. Für die 300 km benötigten wir fast sechs Stunden. Es war Freitag der 13. Juni. Knapp zwei Stunden vor dem Startschuss sind wir in Biel angekommen. Ab da musste alles schnell gehen, da ich noch nicht mal angemeldet war. Doch die Nachmeldung verlief schnell und ohne Probleme. Als Zahlungsmittel war auch der Euro anerkannt. Ich hatte einen persönlichen Radbegleiter namens Martin dabei, mit dem ich schon letztes Jahr nach Marokko geradelt bin. Ohne ihn wäre der Lauf noch viel schwerer gewesen, und ich bin ihm zu einem großen Dank verpflichtet. Start war um 22:00 Nachts (Zielschuss 19:00. Also 21 Stunden Zeit zum ankommen). Bei der Startaufstellung kamen mir die Gedanken, dass es eine verdammt lange Nacht (und Tag) sein wird. Ein Problem war auch, dass ich kein spezielles Training absolviert habe, und nur zwei bis drei mal in der Woche trainiert habe. Mein längster Lauf war zwei Monate vorher beim Paris- Marathon.
Nach dem Startschuss versuchte ich langsam loszulaufen, doch die Läufer legten ein beachtliches Tempo hin. Ich versuchte mich dem einigermaßen anzupassen. Die Radbegleiter kamen erst bei km 23 hinzu, damit sich das Läuferfeld erst verteilen kann. In der Stadt waren viele Zuschauer, die einen lautstark anfeuerten. Die Stimmung war super. Bei den 2.400 Startern war es zu Beginn ein dichtes Gedränge. An der ersten Verpflegungsstelle lief ich vorbei, da die Wartezeit wegen Überfüllung lang war. Ich hatte mir einen Trinkgürtel umgebunden, der sich als sehr nützlich erwies, das die nächste Verpflegung lange auf sich warten lies. Nach einigen Kilometern war die Euphorie weg und man lief auf Feldwegen der Nacht entgegen. Auf eine Stirnlampe habe ich verzichtet, und so schloss ich mich an andere Läufer mit Licht an. Trotz der angegebenen 580 Höhenmetern kam mir die Strecke sehr hügelig vor. Ich versuchte anfangs nur Wasser zu trinken und in regelmäßigen Abständen mein Kohlenhydrat-Gel einzunehmen. Nachdem ich fast drei Stunden gelaufen bin waren es „nur“ noch zwei Marathons am Stück zu laufen. Also kein ProblemJ. Zum Glück war jetzt mein Radbegleiter an meiner Seite. Meine Innenschenkel waren ein wenig aufgescheuert, was aber durch Vaseline gemildert worden ist. Die Gedanken noch locker über 10 Stunden unterwegs zu sein versuchte ich zu verdrängen. Es lief alles super. Ich fühlte mich gut und war fit. Nach knapp unter sechs Stunden war die Hälfte der Strecke (50 km) absolviert. Es war ca. 4.45 Uhr nachts. Kurzes Foto und weiterlaufen. Ich wusste, dass ich zu schnell unterwegs war, und dass mir gegen Ende die Kraft fehlen wird. Doch in diesem Tempo fühlte ich mich wohl und somit lief ich weiter. Allmählich spürte ich meine Beine und die Müdigkeit setzte auch langsam ein. Der Lauf durch die Nacht war geprägt durch Ruhe und Einsamkeit. Überwiegend Straßen, und ein paar Feldwege. Bei Kilometer 60 begann der „Emmerdamm“. Diesen 10 km langen Abschnitt müssen alle Läufer ohne Radbegleiter absolvieren. In diversen Berichten habe ich gelesen, dass dieser sehr holprig, wurzelig, steinig und schmal ist. Es war noch komplett dunkel und somit um einiges erschwerter. Also Trinkgürtel umbinden, Stirnlampe auf den Kopf und los geht´s. Man musste sehr konzentriert laufen, was nach über sieben Stunden Dauerlauf durch die Nacht nicht einfach war. Nach ein paar Kilometern brach der Tag an, doch in einigen Waldpassagen wurde es wieder dunkel. Zeitweise musste ich das Laufen in Gehen umsetzen. Seit Stunden spürte ich zwei Blasen am Fuß, doch ich versuchte nicht daran zu denken.
Bei km 68 wartete endlich mein Radbegleiter auf mich. Kurz darauf machte ich meine erste Pause. Nach über 8 Stunden Dauerlauf machte ich ca. 20 min. Pause: Hinlegen, Blasenpflaster drauf, umziehen, dehnen (soweit es noch ging) und weiterlaufen. Die ersten Schritte sind höllisch anstrengend. Der Gedanke, dass es gleich besser geht, erwies sich als falsch. Jeder Schritt tut weh. Keine Kraft, keine Lust. Ich träumte von einem Bett. Den Läufern vor und hinter mir ist die anstrengende Nacht in den Augen geschrieben. Jeder quält sich. Mein Lauf besteht nun aus joggen und gehen. Die Gels schmecken widerlich und das Leiden nimmt kein Ende...
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Jeder Kilometer kommt mir elendig lang vor, und der Gedanke noch 25 Km laufen zu müssen ist niederschmetternd. Nach längerem gehen stecke ich mir Kopfhörer ins Ohr und versuche mit „Hardrock“ zu joggen. Das klappt erstaunlich gut! Rammstein und Co. motivieren mich zum weiterjoggen. Bei km 85 ging´s auf der Strecke wieder bergauf, aber mit mir stetig bergab. Immer länger und häufiger wurden die Gehpausen. Für die restlichen 15 km habe ich mir 3 Stunden ausgerechnet, was auch einigermaßen richtig berechnet war. Ich musste mich in regelmäßigen Abständen für einige Minuten auf den Boden legen. Die letzten 5 Kilometer verliefen ganz gut. Endlich sah ich das 99 km Schild. Überglücklich mache ich ein Foto und absolviere den Letzten Kilometer des unglaublichen Laufes. Der Zieleinlauf ist sehr emotional und ich konnte kaum fassen, dass ich nicht mehr joggen muss. Nach 13 Stunden und 31 Minuten höre ich das Piepen der Zeitnehmermatte, was das Ende des Rennens symbolisiert! Ich konnte es noch gar nicht glauben, was ich geleistet habe. Rückblickend war der Lauf ein Abenteuer. Ich habe wirklich noch nie in meinem Leben so leiden müssen. Von der Organisation und Verpflegung bin ich sehr zufrieden. Ein großen Dank an alle!
Peter Juszczak
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