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Geplant war mein zweiter Start bei der Ironman-Weltmeisterschaft am anderen Ende der Welt ursprünglich nicht. Aber nachdem der Ironman Florida im November letzten Jahres gut lief und ich mit 9:08 Stunden “versehentlich” doch in den Slot-Rängen gelandet war, musste ich umdenken. Also habe ich gleich am Morgen nach dem Rennen meine Frau in Deutschland angerufen. Ich musste ihr erklären, dass ich mir bei der Slot-Vergabe unbedingt mein Hawaii-Ticket sichern muss, obwohl ich ihr nach mehreren wettkampfintensiven Jahren zur Abwechslung ein Ironman-freies Familienjahr versprochen hatte. Sie ließ mich gewähren und auch dafür liebe ich sie!

Der Vorteil für meine Saison 2010 war, dass ich im Frühjahr die Beine hochlegen konnte und mir stets gedacht habe, dass ich das schöne Wetter im Sommer optimal zur Vorbereitung nutzen kann. Das schöne Wetter kam aber erst gar nicht und später nur selten, so dass ich von den widrigen Wetterbedingungen trotz relativ spätem Triathlon-Saisoneinstieg auch nicht verschont blieb.

Als ich auf dem Flughafen in Kona ausgestiegen bin, kam mir der Gedanke, dass man die Temperaturen meiner letzten drei Radausfahrten addieren könnte, dann würde man in etwa bei der Temperatur in Hawaii liegen. Aber kaum akklimatisiert sich der Körper neun Tage, da empfindet er das gar nicht mehr als störend.

Der Ironman Hawaii hat schon seinen eigenen Flair. Das Rennen ist weder landschaftlich besonders reizvoll, noch säumen zigtausende Zuschauer die Strecken. Auch habe ich nicht die geringste Chance, hier nur einen Blumentopf zu gewinnen. Aber es ist immer etwas besonderes, dabei zu sein. Nirgendwo sonst reisen die meisten Athleten schon eine Woche vorher an und geben bereits dem morgendlichen Schwimmtraining Wettkampfcharakter mit vielleicht mehreren Hundert Schwimmern im Wasser. Nirgendwo sonst werde ich bei meiner Radausfahrt fünf Tage vor dem Wettkampf von zig Tempobolzern auf den neuesten Höllenmaschinen mit doppelter Geschwindigkeit stehengelassen. Und nirgendwo sonst laufen so viele Menschen auf einer einzigen Straße selbst in der Mittagshitze noch neben Autos, Radfahrern und Surfern von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, an denen Getränkehersteller ihre Produkte bewerben. Der Material-Hype wird durch die Messe noch angeheizt, in der die allerneuesten Produkte angeboten werden, die man als Triathlet einfach haben muss! Ich kenne mehr als einen Athleten, der seine Wettkampfschuhe für das Rennen hier noch gekauft hat...

Das wichtigste in dem ganzen Trubel ist, cool zu bleiben. Ein bißchen Strand, ein wenig lockeres Training. Dann ein bißchen “sehen und gesehen werden” im Lava Java, dem Trend-Café, das fest in der Hand der Triathleten ist. Und vor allem: Sich nicht von der Material-Panik der Appartement-Mitbewohner anstecken lassen, die zwei Tage vor dem Rennen noch einen kleine Riss in der Manteloberfäche des Wettkampfrades feststellen und dann stundenlang fachsimpeln, ob ein neuer Schlauchreifen aufzuziehen ist (der noch besorgt werden muss).

Mein Rennen ist konstant gut, aber relativ unspektakulär. Ich habe zu viel Respekt vor den Bedingungen, als dass ich große Experimente wage. So habe ich selbst nach 8:30 Stunden noch Lust auf Ironman und muss mich bis dahin nicht bemerkenswert mehr quälen als in anderen Rennen. Erst als auf dem Highway dann die Wolken verschwinden und die Sonne mal wieder erbarmungslos brennt, wird es hart. Aber Hawaii ist eben kein Volkstriathlon. Im Ziel angekommen bin ich mit meinen 9:50 Stunden vollkommen zufrieden. Das ist das

Optimum, was ich unter diesen Bedingungen mit meiner Vorbereitung für mich herausholen kann. Im Gesamtklassement hat es mit Platz 338 von knapp 2000 Startern zwar wieder nicht für einen Blumentopf gereicht. Gewonnen habe ich aber dennoch: Eine wunderschöne Sport-Erfahrung, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Nächstes Jahr mache ich bestimmt mein Ironman-freies Familienjahr!