Es ist Jahre her, das ich einen großen Stadtmarathon gelaufen bin. 2009 war ich für Berlin gemeldet und wollte mit meinem Freund Peter einen Angriff auf seine 3 Stunden starten und wurde kurzfristig von einem Muskelfaserriß ausgebremst.
Also heuer ein 2. Versuch.
Nachdem ich mich die ganze Saison trotz relativ niedriger Umfänge beim Laufen sehr gut gefühlt hatte, wollte ich schaun ob ich nicht wieder einmal eine (für mich) gute Zeit laufen könnte.
Dabei habe ich sowohl in der Vorbereitung als auch in der Rennausführung wieder einmal Sachen erleben dürfen, die (zusammen mit meinen Schlüssen daraus) hoffentlich auch für andere Läufer interessant sind:
1. Eigentlich rate ich immer anderen Läufern die Umfänge nicht ruckartig heraufzusetzen, da dies leicht zu Überlastungen führen kann. Noch besser wäre es gewesen, wenn ich mich in der Vorbereitung auch selber daran gehalten hätte! :-) Nach dem Allgäu-Triathlon habe ich ersteinmal 2 Wochen Pause gemacht, dann waren es noch 4 Wochen ernsthaftes Training bis Berlin. Viel hilft viel, dachte ich mir und rannte statt meiner normalen 50km/Woche gleich mal 100km, die darauffolgende Woche 130km. Dann darauf 80km, aber mit mehr Tempo. Danach hatte ich dann Achillessehnenprobleme und musste die letzten 2 Wochen deutlich reduzieren um im Rennen nicht von der Sehne ausgebremst zu werden. Bravo. Gelernt: Practice what you preach (sich an die eigenen Regeln halten).
2. Renneinteilung: Die besten Zeiten kommen aus gleichmäßig gelaufenen Rennen. Einen kleinen Tick zu schnell angehen kann auf der zweiten Hälfte zu großen Problemen führen. Im Training hatte ich nach Tempokontrolle via Polar-Laufsensor trainiert. Bei Tempo 3:45-3:50 fühlte ich mich auch bei längeren Läufen gut, sodaß mir eine Zielzeit von knapp unter 2:40 machbar erschien. Wenn man mit technischen Hilfsmitteln trainiert sollte man sich aber sicher sein, das diese auch richtig geeicht sind. In der Woche vor dem Rennen habe ich das nochmal kontrolliert und festgestellt, das der Speedsensor 3% zu schnell anzeigt, ca. 5-6sekunden pro Kilometer. Das scheint wenig und, vertrauend auf das Renn-Adrenalin, habe ich leider nicht reagiert, sondern weiter an meinem 2:40-Ziel festgehalten. In Berlin bin ich dann strikt nach Uhr mit 3:45 angelaufen. Bis km 10 ging das auch ganz gut, allerdings fühlte sich das Tempo machbar aber nicht leicht an - obwohl ich immer allen Marathonis rate: Bis zur Hälfte muss es sich leicht anfühlen, sonst ist das Tempo zu hoch.
Bis km21 wurde ich dann schon etwas langsamer, sodaß die Halbmarathonzeit nur 1:19.40 statt 1:19 war. An dem Punkt war mir schon klar, das ich die 2:40 abhaken konnte, da ich ja die zweite Hälfte dann gleich hätte laufen müssen, mich aber bereits im Rückwärtsgang befand. Jedoch hoffte ich immer noch auf eine Zeit um 2:42 - 2:43... was nach eigenem Standard noch im Rahmen gewesen wäre (3 Minuten darf man nach meinem Dafürhalten in der zweiten Hälfte abbauen, ohne das das schon als Fehlversuch gilt). Aber ein Marathon ist ein Marathon und kein Kindergeburtstag, nach 38km war dann endgültig Schluss mit meiner Kraft und ich bin nochmal regelrecht eingebrochen und habe auf den letzen 4km weitere 2 Minuten verloren. Endzeit dann 2:45.04
Ich vermute, das diese Zahlenklauberein für Manche als Spitzfindigkeiten erscheinen. Ich möchte damit nur verdeutlichen, das man, wenn man eine bestimmte Zeit laufen will nicht zu locker mit der Einteilung umgehen kann. Minimale Differenzen können sich am Ende deutlich auswirken.
Bewiesen, das es auch anders geht hat mein Freund Peter: Bisher 3 mal an der 3 Stunden-Marke gescheiter (3:06, 3:08, 3:10) hatte er diesmal unter der Aufsicht von Oberstdorfer Laufurgestein Josef Fässler kaum mehr, aber langsamer trainiert. Im Wettkampf lief er dann konstant auf genau 2:59 an. Anders als bei seinen anderen Versuchen, wo er meinte ein kleines Zeit-Polster anlegen zu müssen. Bei km30 war er langsamer als bei den 3 vorhergehenden Versuchen... Ergebniss: Durch die gesparten Körner in der ersten Hälfte blieb diesmal der Einbruch aus. Peter lief die 2. Häfte auf 6 Sekunden gleich wie die Erste und schafte eine 2:59, 29. Toll! Genau so wird es gemacht.
Insgesamt war Berlin ein riesen Erlebnis. Bei meinen letzten Teilnahmen Anfang der 90er waren noch nur 15000 Starter dabei, nun sind es 40000! Wahnsinn! Die Stimmung an der Strecke, die Weltstadt Berlin, sehr beeindruckend. Die Zielatmossphäre gefällt mir bei kleinen regionalen Veranstaltungen aber besser. Das ist (naturgemäß) bei einem solchen Mega-Event wie Berlin schon Massenabfertigung.




