Barbara und Andreas sind inzwischen ja schon bekannt für Ihre Vorliebe für exotische (Lauf-)Abenteuer... hier ihr Bericht vom letzten Streich: 100km del Sahara
Es regnet und es ist kalt. der kräftigste regen seit etwa 20 jahren soll das sein. wir liegen im schlafsack im zelt und beobachten, wie das wasser langsam durch's dach tröpfelt. auch das grosse zelt, treffpunkt aller läufer zum essen, hält nicht dicht. und überall ist sand. sand im gesicht, ohren, nase zwischen den zehen, in der tasche im schlafsack. einfach überall. alles was nicht sofort in einer geschlossenen tasche verstaut wird ist in kürzester zeit von feinem sandstaub bedeckt. jede tasche, die auch nur kurz geöffnet wird, ist sofort mit sand kontaminiert.
drei tage zuvor starteten wir aus dem spätwinterlichen deutschland über mailand nach tozeur, im süden tunesiens. 100km del sahara – ein 4tägiger etappenlauf am ostrand des grossen östlichen erg. „marathon des sables für anfänger“. die organisation ist italienisch, das teilnehmerfeld kommt ebenfalls zum grössten teil aus italien. unter den 175 startern finden sich etwa 20 deutsche, einige amerikaner, briten, kanandier und vereinzelt teilnehmer aus anderen nationen. neben den läufern gibt es auch eine kategorie für walker.
in tozeur ist sammelpunkt des teilnehmerfeldes. es sind viele wiederholungstäter dabei. nach einer bequemen nacht im hotel startet am nächsten morgen das abenteuer wüste.
in einer langen karawane werden wir jeweils zu sechst in landrover gepackt und über kebili, douz nach ksar ghilane gebracht, dem startpunkt des laufes. eine malerische oase mit einem arthesischen brunnen. ausserhalb der palmen beginnt das dünenmeer.
wir werden auf italienisch und etwas englisch über den lauf informiert. zur startnummernausgabe müssen wir das ärztliche attest sowie die vorgeschriebene notfallausrüstung vorlegen : trillerpfeife, rettungsdecke, camelback, chemische leuchte sowie ein feuerzeug.
der erste tag beginnt mit dem start der walker eine stunde vor dem läuferfeld. der tross an lkws mit dem gepäck und der küche ist schon unterwegs. das briefing zur etappe ist kurz : am anfang sandige dünen, dann eine piste, dann wieder dünen. 23km insgesamt, die verpflegungsstelle etwa bei km 13. der himmel ist schwer, wolken, wind, keine sonne. „seven nations army“ und „we will rock you“ zum start und los.
das läuferfeld zieht sich in den dünen rasch auseinander. jeder sucht sich den besten weg, im dünental, um die nächste düne links oder rechts oder lieber gleich oben am kamm entlang. den besten weg zu finden ist wichtig und kraftsparend, aber alles andere als einfach. nach den ruinen eines alten forts wird der weg einfacher. weithin sichtbar sind die grossen orangenen flaggen, die den weg markieren. der weg der nächsten stunde liegt sichtbar vor uns : geradeaus.
an der verpflegung süsser tee, iso, datteln, orangen, honig und kekse. datteln erweisen sich als die perfekte laufverpflegung.
der wind wird stärker und zehrt an den kräften. und er bläst sand mit. die letzen dünen kommen, der wind mausert sich fast zum sturm. kopf unten halten. die spuren des vordermannes im sand sind sofort wieder verblasen. wo ist die nächste flagge ? kopf hoch, ladung sand im gesicht.
dann das camp. beduinenzelte sind im rund aufgestellt. die zelte sind an der stirnseite offen, sehr schön im sandsturm. die felddusche mit kaltem wasser im kalten wind im sandsturm hätte ich mir schenken können: beim ersten windstoss sehe ich aus wie ein paniertes schnitzel. und dann kommt der regen ...
doch nach ein paar stunden ist der spuk vorbei. der wind lässt nach, die sonne kommt hinter den wolken hervor und taucht die dünen in ein unwirkliches licht.
die läuferschar trifft sich im grossen zelt. die italiener tischen gross auf. sogar tischwein steht bereit. die verpflegung ist mehr als ausreichend: mittags nach dem zieleinlauf gibt es lunch (salat, pasta, reis oder anderes getreide), nachmittags kaffee und kekse, abends nochmals pasta, suppe, gemüse, salat, etwas fleisch. hunger leiden muss keiner. aber frieren: die nächte in der wüste sind kalt, die zelte zugig und nur ein dach über dem kopf. wenn morgens die sonne kommt, dauert es jetzt im märz noch relativ lange, bis die luft sich erwärmt.
zum weckruf schallt „aisha“ durch's lager. frühstück, gepäck abgeben zwei stunden vor start, damit die taschen vor den ersten läufern im nächsten camp sind. die walker starten als erstes, die läufer eine stunde später.
die heutige etappe umfasst 16km. überwiegend piste mit kleinen sanddünen. die sind etwa 1 bis 2m hoch, nicht viel aber in der menge sind sie nicht ohne. bis zum ende des laufes sammeln wir auf diese weise deutlich über 1000hm an.
der wind verschont uns heute, dafür wird es mit der zeit kräftig warm. die felddusche ist fast angenehm.
in camp 2 wieder lunch, rumliegen, füsse verarzten (der sand sorgt schnell für blasen), kaffee trinken, rumliegen, dinner, abliegen. Zwischendurch ein wenig spazieren gehen. es ist ja auch urlaub !
der dritte tag ist der marathontag. wir starten in 3 startgruppen, die langsamsten zuerst. es ist positiv, zu den langsameren läufern zu gehören: wir sind als erstes dran, müssen nicht lange warten und sind – hoffentlich – vor der grössten hitze im camp.
das briefing wieder kurz: dünen am anfang, dann piste, die letzten kilometer wieder tiefer sandig, verpflegung etwa bei km16 und km33. die strecke ist tatsächlich sehr abwechslungsreich, wir durchlaufen verschiedenste facetten der wüste. dünen, weite steppenlandschaft mit kleinen ginsterbüschen, eine ewig anmutende piste entlang einer pipeline, ein stück salzwüste.
die letzten kilometer werden sehr zäh, zumal der untergrund immer mehr aus weichem sand besteht. Die patrouillierenden quads der letzten tage sind weniger, sie kümmern sich wohl eher um die schnelleren läufer, die hinter uns auf der strecke sind. Irgendwann ruft uns einer den letzten kilometer zu – und dann endlich das camp. heute ist die dusche richtig gut, egal wie kalt. abends tischen die italiener doch tatsächlich schampus auf ! Der marathon wird gefeiert. morgen noch mal 23km und wir haben diesen wüstenlauf geschafft.
der nächste tag beginnt mit einer sandigen piste, die bald schon in einer art salzsteppe mündet. hier knallt die sonne kräftig. weiterlaufen, durch die hitze schleppen. verpflegung bei km10, es wird etwas wolkig. der nächste abschnitt wieder ein grosses dünenfeld. der sand ist weich und tief und zieht die letzten körner. düne nach düne nach düne. am horizont taucht ein grosses weisses gebäude auf: das „tor zur wüste“ von douz. der sand wird weniger, immer mehr schottrige abschnitte, auf denen es sich leichter laufen lässt. und endlich das tor, danach noch etwa 1,5km auf der teerstrasse. der zielbogen steht direkt in der hoteleinfahrt. finish !
wir haben nur einen winzigen teil der wüste gesehen, doch das war schon sehr eindrucksvoll. und eine kleine idee, was der „marathon des sables“ bedeutet, haben wir nun auch. die 100km del sahara sind liebevoll und gut organisiert, man kann sich voll und ganz auf das erlebnis wüste konzentrieren. und das ist toll – wir verstehen die wiederholungstäter und es ist nur eine frage der zeit, wann wir uns wieder anmelden.
ausführlicherer bericht und mehr fotos auf www.alpenschleicher.de/ausland






